5 Dinge, die wir von Graugänsen lernen können

Von wegen “dumme Gans”! –  Graugänse sind klug und wachsam, lernen schnell und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Was wir von ihnen lernen können – und wie die schottische Folk-Sängerin Karine Polwart die Stimmen der Wildgänse für ihre Songs nutzt.

Abertausende Wildgänse sind in diesem November wieder aus ihren weit entfernten Brutgebieten in Osteuropa und Sibirien zu uns gezogen; viele von ihnen überwintern am unteren Niederrhein, in der Gegend zwischen Köln, Duisburg und Nijmegen, einer kleinen Stadt im Osten der Niederlande. Dort liegt ein großes, geschütztes Feuchtgebiet, in dem sie bis Ende Februar überwintern. Aber nicht alle Graugänse sind Zugvögel, es gibt auch  Populationen, die  in Westeuropa und am Mittelmeer brüten und dort im Winter bleiben.

Die Graugänse, die im Winter auf der Suche nach Nahrung aus den kalten Regionen zu uns kommen, fliegen täglich bis zu 1000 Kilometer weit. Der Formationsflug der Gänse und ihre chrakteristischen Rufe ziehen viele Menschen magisch in den Bann; sie verkünden den Wechsel der Jahreszeiten und erinnern uns daran, dass unser Planet groß und rund ist.

Wildgänse sind sehr soziale Wesen. Die Familie geht über alles!

War der Bestand der Graugänse in den 194oer Jahren noch bedroht, so hat er sich inzwischen gut erholt. Viele Grauganspopulationen in Mitteleuropa gehen auf Auswilderungsprojekte zurück, die in  den 1950er und 1960er Jahren stattfanden. Graugänse sind faszinierende Geschöpfe und tolle Vorbilder – auch für alle, die sich für Permakultur interessieren!  Hier fünf Dinge, die wir von ihnen lernen können:

1. Zusammen sind wir stark: schließe Dich mit anderen Permakultur-Freunden zusammen!

Graugänse fliegen auf ihrer langen Route in einer Keil-förmigen Formation, an der Spitze wechseln sie sich ab. So teilen sich die Vögel die besonders anstrengende “Führungsaufgabe”. Auch beim Rasten und Übernachten gibt es eine klare Aufgabenverteilung: einige Vögel halten jeweils „Wache“ und warnen ihre Artgenossen, sobald sich Feinde nähern, wie etwa der Seeadler oder der Fuchs; auch dabei wechseln sich die Gänse ab.

2)  Lebe im Einklang mit der Natur und gebe ihr etwas zurück

Graugänse verbreiten auf ihren weiten Reisen Pflanzensamen und reichern die Erde mit Nährstoffen an. Am liebsten fressen sie Gras, Blätter, Stengel, Samen und Früchte von Wasserpflanzen,  sind also überzeugte Vegetarier! Als wichtiger Teil des natürlichen Kreislaufes dienen Gänse aber auch als Nahrungsquelle für andere Lebewesen – und auch ihre Federn sind vielseitig verwendbar, waren früher z.B. ein fast unentbehrliches Schreibwerkzeug!

3) Reise möglichst klimaneutral und nutzte die Kraft der Natur!

Graugänse bewältigen erstaunliche Distanzen, können mehrere hundert Kilometer am Tag zurücklegen. Dafür nutzen sie geschickt den Wind, die Thermik und ihre eigene Muskelkraft. Wäre es nicht eine tolle Idee, es ihnen nachzumachen? Was spricht dagegen, die Welt mit dem Fahrrad oder dem Segelschiff zu erkunden?

4) Sei solidarisch und treu (oder versuche es zumindest …)!

Graugänse, die in der freien Natur ca. fünf, mit Glück auch um die 15 Jahre alt werden können, leben meist in einer lebenslangen Paarbindung, sind also sehr treu. Darüber hinaus  kümmern sie sich sehr liebevoll und gewissenhaft um ihren Nachwuchs und verteidigen ihn mutig! Jäger berichteten sogar von einer angeschossenen Gans, die von einigen ihrer Artgenossen zum Boden begleitet wurde – erst als sie  feststellten, dass ihr „Familienmitglied“ gestorben war, flogen sie davon.

5) Beobachte die Natur genau und lerne von ihr!

Wildgänse sind echte Überlebenskünstler und sehr anpassungsfähig. Sie beobachten ihre Umgebung genau und lernen erstaunlich schnell. Wachsen Graugänse zusammen mit dem Menschen auf,  lassen sie sich sogar “prägen” und betrachten Menschen als Artgenossen. Bekannt ist dieses Phänomen zum Beispiel aus dem Film “Nomaden der Lüfte” des französischen Regisseurs Jaques Perrin, dem es gelang, die Vögel auf diese Art und Weise an ein motorisiertes Fluggerät zu gewöhnen.

Karine Polwart und die Rufe der Wildgänse

Gänse inspirieren auch Musiker! Die schottische Folk-Sängerin Karine Polwart aus Edinburgh hat zusammen mit der Komponistin und Sounddesignerin Pippa Murphy gerade ihr neues Album “A Pocket of Wind Resistance” veröffentlicht, in dem sie sich von der schottischen Natur mit ihren geheimnisvollen Torf-Mooren, moosbedeckten Hügeln und weiten Graslandschaften inspirieren ließ.  Und in  ihre schönen, nachdenklichen  Balladen hat sie  auch Rufe von Graugänsen und andere Naturgeräusche integriert! Wunderbare  Musik für alle, die sich als Teil der Natur sehen, diese bewahren möchten – und nichts gegen einen schottischen Akzent haben ;-)   Hier eine Hörprobe:

 

 

2 Kommentare

  1. Als Naturfreunde und Hobby-Fotografen nöchten wir die hier angestellten Überlegungen gern aus vollem Herzen bestätigen. Die Gänse sind untereinander auch sehr “schwatzhaft” durch die engen Familenbande und man hört sie oft schon von weitem. Traurig, dass sie immer noch geschossen werden.
    Neben den Graugänsen, die die Vorfahren unserer heutigen Hausgänse sind, gibt es in Deutschland noch einige andere Arten, die ein gleiches Verhalten an den Tag legen.
    Danke auch für diesen interessanten Beitrag!
    Bärbel und K.-D.

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