Buchtipp: Masanobu Fukuoka und die Achtsamkeit des Bauern

Vor über 30 Jahren erstmals veröffentlicht, in 25 Sprachen übersetzt –  und inzwischen ein Standardwerk der Permakultur: „Der Große Weg hat kein Tor“ von Masanobu Fukuoka. Lange Zeit war das Buch in Deutschland vergriffen, doch vor einiger Zeit brachte der pala-verlag eine Neuauflage heraus. Das Buch ist heute aktueller denn je – und lesenswert für alle, die sich für Permakultur und ökologische Landwirtschaft interessieren!

Vielfalt und gesunde Pflanzen auf dem Acker – ohne Gift und Chemie

Felder, auf denen “Unkraut”, Klee und Getreide zusammen wachsen, in denen sich Frösche, kleine Schlangen und Insekten wohlfühlen und die trotzdem gute – und vor allem gesunde! Erträge einbringen: die Anbaumethoden und Ideen des japanischen Mikrobiologen und Bauern Masanobu Fukuoka (1913-2008) beflügeln seit über 30 Jahren Menschen, die sich mit ökologischem Landbau und Permakultur beschäftigen. Und Fukuokas fabelhaften Ideen sind heute aktueller denn je: Denn in Zeiten von Glyphosat, nitratbelasteten Böden, Massentierhaltung und einer immer eintönigeren Agrarlandschaft sind die von ihm entwickelten Prinzipien auch in unseren Breitengeraden ein gutes Rezept gegen den Raubbau an der Natur und gegen die Zerstörung der Artenvielfalt!

Kein Umgraben, kein Pflügen – und trotdem gute Erträge

Bekannt wurde Fukuoka vor allem für seine sogenannte „Direktsaatmethode“ des pfluglosen Reis-Anbaus. Dabei wird der Reis einfach auf eine Mulch-Schicht gesät, die aus den Blättern der Ernte des Vorjahres besteht. Es wird also nicht umgegraben, und auch auf Spritzmittel und Kunstdünger wird vollständig verzichtet. Fukuoka hat seine Methoden und Grundsätze zwar in Japan entwickelt, sie lassen sich  jedoch auch auf Regionen übertragen, in denen kein Reis angebaut wird. Denn es geht vor allem um ein tieferes Verständnis des Bodens, der Mikroorganismen, Lebewesen und Zusammenhänge, die überall gültig sind. Unabhängig davon, ob nun Reis oder anderes Getreide, Mandarinen oder Äpfel angebaut werden.

Fukuokas Samenkugeln: Kapseln der Hoffnung

Bekannt ist heute auch das von Fukuoka entwickelte Verfahren, Samen vor der Aussaat mit einer Lehm- bzw. Tonschicht zu umgeben, um sie so vor Witterungseinflussen und Fressfeinden zu schützen. Der dazu verwendete Lehm bzw. Ton wird dabei mit Komposterde vermischt und  enthält so gleich alle wichtigen Nährstoffe, die ein Aufgehen des Saat begünstigen. Fukuoka selbst bezeichnete dieses Methode als nendo dango (Samenkugel), im Englischen spricht man heute von Seedbombs oder Seed Balls. Die Entsprechung  im Deutschen ist die sogenannte Samenbombe oder Samenkugel. Diese Form der Aussaat spielt vor allem im sogenannten “Guerilla Gardening” eine Rolle, einer Protestbewegung, bei der es darum geht,  städtische Flächen (meistens ohne Genehmigung) zu begrünen und der Natur so zu ihrem Recht zu verhelfen.

“Wu-Wei” –  ganzheitliches Naturverständnis statt blinder Aktionismus

Lao-Tse, Konfuzius, Buddha – traditionelle, fernöstliche Lehren sind für viele Menschen wertvoll, bieten Orientierung und Halt. Auch Fukuoka könnte man mit Fug und Recht als  einen solchen Lehrer betrachten. Obwohl er selbst dem mit Sicherheit widersprochen hätte, denn er war stets sehr bescheiden. Fukuokas Ideen und Anbaumethoden sind  geleitet durch das sogenannte “Wu-Wei”-Prinzip, das dem Daoismus, einer chinesischen Philosophie bzw. Weltanschauung  zugeordnet wird. Dabei geht es darum, im Einlang mit der Natur zu handeln und durch Konzentration, Achtsamkeit und Meditation ein tieferes Bewusstsein zu erlangen, im dem die eigene Person harmonisch mit der Umwelt verbunden ist. Statt Übereifer und Aktionismus steht beim Gärtnern und beim Ackerbau nach Fukuoka demnach das Prinzip des „Handelns durch Nicht-handeln“ im Vordergrund. Eine passende Übersetzung des Begriffes “Wu-Wei” wäre die Bezeichnung „Nicht-Eingreifen“ bzw. „Handeln durch Nicht-Handeln“ –  eine Art kreative, “produktive Passivität”. Dies klingt zunächst seltsam, betrachtet man aber zum Beispiel einmal in Ruhe das üppige Wachstum und das Miteinander von Tieren und Pflanzen in einem schönen Permakulturgarten, so erklärt sich dies eigentlich von selbst. Fukuoka schreibt dazu:

“Wie wäre es, dies nicht zu tun? Warum jenes nicht unterlassen? – das wäre meine Art des Denkens”

Obstbäume beschneiden und mit Gift spritzen? Nach Fukuoka besser nicht.

Fukuoka hat auf seinen Flächen in den 1970er Jahren auch sehr erfolgreich Obstbäume (u.a. Mandarinen) gepflanzt. Umso interessanter und ungewöhnlicher sind daher seine Ansichten zum  Thema  “Obstbäume  schneiden”. Dazu schreibt er:  “Wenn ein Baum sorgfältig gepflanzt wird und von Anfang an seinen natürlichen Formen folgen darf, sind Beschneiden und Spritzmittel aller Art überflüssig.” (s.71) Voraussetzungen dafür ist allerdings , dass auch der Setzling nicht beschnitten wird, und das umgebende Ökosystem intakt und natürlich ist! In seinem Buch “Der große Weg  hat kein Tor” berichtet Fukuoka,  wie man dieses natürliche Gleichgewicht erreicht, wie  man die Natur unterstützen kann, wie Stroh und Mulch gegen Unkraut eingesetzt werden, welche Bedeutung  gesunde Nahrung für unseren Körper hat, warum es sich lohnt, alte und widerstandfähige  Hühnerassen zu halten und vieles andere mehr. Stets in einem sehr persönlichen, offenen und ansprechenden Tonfall, der zuweilen auch poetisch ist und an die japanische Gedichtform des “Haiku” erinnert.

Eine Idee zum Schluss

Wie das Bundes-Landwirtschaftministerium bekannt gab, wurde 2015 die kaum vorstellbare Summe von rund 6,8 Milliarden Euro für Agrar-Subventionen ausgegeben, der größte Teil davon für konventionelle, industrielle Landwirtschaft.  Man wünschte sich, nur ein winziger Bruchteil dieses Betrages wäre in Bücher von Fukuoka geflossen und jeder europäische Landwirt hätte ein Exemplar von “Der große Weg ist kein Tor” erhalten.  Vielleicht wäre das mal eine Anregung für EU-Agrar-Kommissar Phil Hogan?

Allen, auch denen die Fukuokas Buch schon kennen und die vielleicht nach einer anderen, spannenden Lektüre für die kalten Winterabende suchen, sei das Programm des  pala-verlags empfohlen.  Dort  erwarten Euch  interessante Bücher über Permakultur, artgerechte Tierhaltung, vegane und vegetarische Vollwertküche und vieles andere mehr!

Zur Website des pala-verlags

Masanobu Fukuoka: Der Große Weg hat kein Tor.  Nahrung. Anbau. Leben. pala-verlag 2013, 180 Seiten, EUR 16,00.
ISBN: 978-3-89566-206-5

 

 

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