Permakultur Matomo zaehler

Allgemein

Landklau und Naturzerstörung durch Landwirte

 

Über das Image der konventionellen Landwirtschaft muss man sich ernsthaft Sorgen machen. Galten Bauern früher als Bewahrer der Tradition, mit einem besonderen Verständnis für Böden und die Kreisläufe der Natur,  so präsentieren sie sich heute leider viel zu oft als eher rücksichtslose Bewirtschafter „landwirtschaftlicher Nutzflächen“ und  Vertreter einer konsequent auf „Effizienz und Wirtschaftlichkeit“ getrimmten  Agrar-Industrie.  Naturverständnis?  In vielen Fällen leider Fehlanzeige. Woran liegt das bloss? 

Artenschwund am Ackerrand – woran liegt’s?

Zwar betont der Branchenverband der konventionellen Landwirte, der deutsche Bauernverband, stets gerne, die Landwirte seien wichtige Ernährer der Welt-Bevölkerung, ja sie würden sogar die „Pflege“ unserer „Kulturlandschaften“ quasi umsonst und ohne Bezahlung erledigen. Doch jedem Naturfreund fällt auf, wie wenig Naturschutz in dieser Form der Landwirtschaft heute noch eine Rolle spielt. Im Gegenteil: Feldwege, Hecken, Bäume und Wiesen verschwinden mehr und mehr, Monokulturen, Gift- und Gülle-Einsatz nehmen zu.  Woher kommt bloss diese Rücksichtslosigkeit? Zum Verständnis muss man einige Fakten über das EU-Subventions-Modell für die konventionelle Landwirtschaft kennen!

EU-Subventionen und Zuschläge erhalten Landwirte über bestimmte Verteilungs-Schlüssel. Ein wesentliches Kriterium ist dabei die Größe des Ackers. Der Acker bzw. die „landwirtschaftliche Nutzfläche“ wird heute meist per Satellit bzw. GPS vermessen. Verkürzt gesagt: Je näher Landwirte an den Wegrand pflügen, desto mehr Geld gibt es. Auch aus diesem Grund werden Hecken und Bäume am Ackerrand oft schonungslos entfernt oder beschnitten. Denn sie werfen ja  Schatten und verkleinern so, von oben betrachtet, das Feld.


Leider keine Ausnahme, sondern fast schon die Regel: Baumschnitt (bzw. Baumfrevel) am Rande von „landwirtschaftlichen Nutzflächen“ in Niedersachsen. (Und nein, die Bäume bzw. ihre Äste waren nicht krank oder von Schimmel befallen …)

Effizienz und Kostendruck in der Landwirtschaft hat fatale Folgen

Außerdem gelten Büsche und bewachsene Ackerränder leider bei viel zu vielen konventionellen Landwirten als „unrentabel“ bzw. als Brut-Stätte von „Unkräutern“ und  „Ungeziefer“. Das Wissen um den Nutzen von Wald- und Wiesenkräutern, der Respekt vor Bäumen und Pflanzen wie z. B.  Mohn- und Kornblumen, hohen Schlehenhecken oder gar dem Ackerschachtelhalm geht mehr und mehr verloren. Viele Landwirte müssen für ihre teure Maschinen, Spritz- und Düngemittel teure Kredite aufnehmen und geraten so in eine fatale Abhängigkeit bzw. in ein „Hamsterrad“, aus dem sie nicht mehr herauskommen. Diese Landwirte müssen viel Geld verdienen,  und immer „effizienter“ wirtschaften, um ihre Kredite zurückzuzahlen und um ihre hohen Betriebsausgaben zu decken. (Allein die spezielle Vorrichtung bzw. das Gestänge mit den Düsen, durch die z. B.  (glyphosathaltige) Spritzmittel auf dem Acker verteilt werden können, kostet nach Angabe eines Landwirtes rund 60 Tausend Euro!)

Vielerorts werden vor diesem Hintergrund leider auch alte Feldwege umgepflügt, oft völlig unbemerkt und illegal! Damit verschwinden wichtige Rückzugsmöglichkeiten und Lebensräume für Feldhasen, Vögel und andere Tiere. Das ARD Magazin „Panorama 3“ hat sich dieses traurigen Themas angenommen und veröffentlichte eine sehenswerte und mutige Reportage mit dem Titel  „Landklau – Bauern beackern öffentlichen Grund“. Hier geht’s zum Beitrag auf der Seite des NDR:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Landklau-Bauern-beackern-oeffentlichen-Grund,landnahme106.html

Übrigens wollen wir hier ganz bestimmt nicht alle Landwirte „über einen Kamm scheren“! Denn ja, es gibt auch sie: die löblichen Ausnahmen!  Aber das Problem zeigt, wie wichtig es ist, als Verbraucher verantwortungsvolle (Bio-)Bauern und kleine, umweltschonende landwirtschaftliche Strukturen zu unterstützen. Dafür sollten wir alle bereit sein, ggf. auch etwas mehr zu bezahlen! Oder wir nutzen die Möglichkeit, eben selbst unser Gemüse anzubauen – im eigenen  Permakulturgarten, oder in der Solidarischen Landwirtschaft!

PS: Auch vereinzelte „Blühstreifen“ neben dem (Glyphosat-) gespritzten Acker, sind natürlich keine tragfähige Lösung. So schön es vielleicht ist, dass auch solche Aktionen von der EU mit Geld bzw. Subventionen gefördert werden … Was wir bräuchten, wäre ein viel tiefgreifenderes Verständnis von Landwirtschaft,  eine Landwirtschaft, die den Gesamtzusammenhang der Natur und ihre Kreisläufe berücksichtigt, und eine grundätzliche Änderung des EU-Subventionsmodells – mit anderen Worten: eine Agrarwende! (Siehe eingebetteter Film am Ende des Beitrages.)

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