Stroh statt Polystyrol. Einfamilienhaus Seerau in der Lucie, 2013

Nachhaltig bauen – mit Stroh und Lehm!

 

Stroh ist schlau! Als natürliche, nachwachsende Ressource mit einer sehr guten Öko-Bilanz ist Stroh hervorragend zum Bauen geeignet – und ermöglicht in Verbindung mit der Verwendung von Holz, Lehm und Kalkputz ein gesundes und behagliches Raumklima! Die Sache ist klar: Bauen mit Stroh und Lehm gehört zur Permakultur!

Neuer, ökologischer Bautrend: das Strohballenhaus

Immer mehr Menschen misstrauen Dämmstoffen, die aus Erdöl hergestellt werden und mit chemischen Flammschutzmitteln versehen sind, leben lieber in Gebäuden, bei deren Bauweise auf natürliche Materialien geachtet wurde. Denn mit Beton gebaute, mit Polystyrol gedämmte Häuser sind leider in vielen Fällen nicht mehr „diffusionsoffen“, das heißt sie „atmen“ nicht. Das kann im schlimmsten Fall sogar Schimmel begünstigen und spätestens beim Abriss solcher Häuser entsteht ein riesiges Müll-Problem, denn die Entsorgung von Polystyrol und Styropor ist aufwändig und teuer! Welche Alternativen gibt es und wie kann man nachhaltig mit Stroh bauen?

Bauen mit Stroh – Richtige Verarbeitung entscheidet!

Traditionell wurde auch in Deutschland einmal mit Lehm und Stroh gebaut, in Indien und vielen anderen Regionen dieser Welt ist dies noch heute selbstverständlich. Zum Glück wurde die Bautechnik nun auch bei uns wieder entdeckt, und dabei gleich sehr gut an unsere klimatischen Bedingungen und moderne Anforderungen angepasst! Die Strohballen werden in Gefache der Wände und Decken eingebaut, und dabei zugleich verdichtet. Dabei muss sehr sorgfältig vorgegangen werden, Lücken sind zu vermeiden. Anschließend kann die gut wärmedämmende Strohwand dann mit Lehm und / oder Kalkputz verputzt werden.

Stroh als amtlich zugelassener Baustoff

Zu den „Strohbau-Pionieren“ die sich seit 1999 für die Strohbauweise und eine Anwendbarkeit als zugelassener Baustoff im Sinne der Landesbauordnungen einsetzen, gehört der niedersächsische Architekt Dirk Schamer. Ihm und seinen Kollegen ist es schließlich gelungen, eine bauaufsichtliche Zulassung der Strohbauweise zu erreichen. Seit 2017 gibt es eine erweiterte Zulassung, die eine verlässliche Qualität sicherstellt und auch direktverputzte Wandaufbauten sowie die Außendämmung bestehender Gebäude einschließt. Fachgerecht ausgeführt, erfüllen Strohwände inzwischen alle bautechnisch relevanten Anforderungen an kleine und mittlere Gebäude! Stroh ist, richtig verbaut, sehr stabil – zudem ist die Konstruktion lange haltbar, vorausgesetzt, sie ist gut vor Feuchtigkeit geschützt. Mit Lehm und /oder Kalk verputzt, erfüllen moderne Strohwände zudem hohe Anforderungen an den Brandschutz, und sind ebenso schimmelresistent wie herkömmliche Mauerwerke.

Stroh statt Polystyrol. Einfamilienhaus Seerau in der Lucie, http://fdffk.de/
Stroh statt Polystyrol. Einfamilienhaus Seerau in der Lucie, http://fdffk.de/

Klar, der Bau eines Wohnhauses aus Stroh ist auch heute noch etwas Besonderes, denn das Material kommt nicht „aus dem Baumarkt um die Ecke“ und erfordert erfahrene, spezialisierte Handwerker! Deshalb muss man möglicherweise auch mit etwas höheren Kosten rechnen und evtl. längere Liefer- bzw. Bauzeiten in Kauf nehmen. Unter dem Strich ist so ein Strohballenhaus aber ein toller Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit auf unserem Planeten – und sieht auch noch schön aus! Ihr lebt in einem Strohballen-Haus oder seid gerade dabei, eines zu bauen? Wir freuen uns auf Eure Kommentare und Berichte!

PS: Die Freunde der Strohbauweise haben sich im Fachverband Strohballenhaus e.V. (FASBA) zusammengeschlossen.

Weitere Informationen:

 

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